Nachts in Ansbach

Ein Foren-Rollenspiel in der Welt von VAMPIRE: Die Maskerade
 
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 Raum zum Atmen

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Julia
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BeitragThema: Raum zum Atmen   Mo 28 Sep - 22:25

Tage nach dem Fest:

Sie atmete die kühle, feuchte Herbstluft tief in ihre Lungen ein. Der Brustkorb hebt und senkt sich wie bei jedem Menschen. Ihre Augenlieder öffnen und schließen regelmäßig, sodass sie nicht wie eine Puppe wirkt. Ihre ozeangrünen Augen sehen sich aufmerksam um. Die Tage sind rauer geworden. Die Worte des Prinzen hallen immer noch in ihren Gedanken nach: ‚Es herrscht Krieg!’ Die Zusammenkunft sollte ihr erster Höhepunkt werden und von ihrer Einsamkeit ablenken. Der Austausch von Gedanken, Gerüchten und Neuigkeiten waren ihr stets ein Anliegen gewesen, wenn bekannte und neue Städte besuchte. Hier war nun alles anders geworden, als sie es sich erhofft hatte. Es gab wenig Raum aber mehr Raubtiere. Versonnen blickte Julia in das Licht der nächsten Straßenlaterne.

Wieder atmete sie tief ein und aus. Es war fast ein Seufzer. Ihre Gedanken schweiften an zu einstigen Überlegungen...

‚Das erste, was ich gelernt habe, ist zu wissen, wie es ist, allein zu sein.’
‚Trauer.’
‚Es ist eine einfache Lektion. Je mehr Menschen oder Vampire um dich sind, desto größer kann das Leid werden... .’
‚Manche geben dir das Gefühl, allein zu sein.’
‚Einsamkeit ist eine tiefe Wunde.’

‚Es gibt jedoch immer Ausnahmen... .’


Julia lächelte vor sich hin, wobei sie einen jungen Mann anrempelte. Verstohlen sah sich der junge Mann nach ihr um, dem sie ein anderes Lächeln spendierte. Oft mussten es keine Worte sein. Ihr Inneres war unruhig. Die äußere Ruhe war trügerisch. Andere Menschen wichen ihr aus, da sie fühlen konnten, dass etwas anderes unter ihnen war. Positive Erinnerungen hielten ihr Tier zurück, doch sollte ihr Feuer entfachen, würde es toben.

Wieder flutete sie ihre Lungen tief mit Sauerstoff. Vor dem Bahnhof in Ansbach blieb sie stehen und holte einen kleinen Stadtplan hervor. Sie wollte sich die Gegebenheiten einprägen. Der Kampf konnte in den Straßen stattfinden, sodass sie wissen wollte, wohin sie gehen oder rennen musste. So erklärte sich auch ihr Verzicht auf ein Fahrzeug. Sie packte den Stadtplan zurück in ihre schwarze Umhängetasche, die mit einigen Ansteckern verziert war. In der Tasche befanden sich weitere, nützliche Gegenstände oder weiteres unter ihrem halblangen, figurbetonenden Ledermantel, den Julia offen trug, darunter ein schwarzer Hoodi mit einem weißen Wolf darauf, der den Vollmond anheulte, darunter ein langes, enggeschnittenes schwarzes Shirt mit V-Ausschnitt. Um ihren Hals trug sie ein Blutendes Herz und eine geschlossene Brosche. Die Haare lagen offen auf ihren Schultern. Dazu trug sie eine dunkelblaue stonewashed Jeans und schwarze DrMartens mit weicher Sohle. Ihre Augen hatte sie nur dunkelbetont, die Lippen mit blassen rot leicht betont und auf weiteres Makeup verzichtet.

Julia hielt die Augen auf nach besonderen Vorkommnissen und anderen Vampiren. Die Entfernung zur Orangerie war hier nicht groß und es würde sie nicht wundern, wenn andere auftauchten. Um 20 Uhr 30 liefen noch Menschen durch die Straßen und tätigten ihre letzten Erledigungen. Die junge Kainitin ging langsam weiter, sah in die Fenster und beobachtete die Spiegelungen in den Fenstern, sodass sich ihr keiner von Hinten ungesehen nähern konnte.

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   So 4 Okt - 20:29

Vincent streifte durch die Straßen von Ansbach. Ein kleines Lächeln lag auf seinen Lippen.
Die letzten Tage, waren turbulent gewesen, besonders der Abend, in der Orangerie. Krieg.
Dieses Wort kam ihm immer wieder in den Sinn. Wie würde das wohl aussehen?
Er wusste, dass man sich den Menschen niemals offenbaren durfte, der Krieg würde also subtil
laufen, doch dann fragte er sich, wann gab es jemals Frieden? Die Vampire beharkten sich
und führten ihren intrigenkämpfe um Macht und Ansehen, um ihre Gegner zu vernichten und
das eigene Ego zu streicheln. Nein, Frieden würde das keiner nennen können,
nicht einmal im Ansatz.

Vincent hatte kein besonderes Ziel. Er wusste, wo er hin musste, wenn die Sonne wieder
emporklimmen würde. Hätte er noch geatmet, wäre ihm wohl ein Seufzen über die Lippen
gekommen, doch so, blieb er stumm. Eine Zigarette steckte in seinem Mund und Qualm stieg vor
dem ungesund blassem vernarbten Mann, mit wildem Bartwuchs auf. Er erreichte den Bahnhof wo
noch einige Obdachlose um Kleingeld bettelten, oder sich verwahrloste Gestalten in belanglosen
Gesprächen zu billigem Dosenbier ergaben. Vincent ignorierte sie, er hatte bereits ausgiebig
gespeist. Doch etwas anderes, erweckte seine Neugier. Eine Frau, welche einen Stadtplan hielt.
Er kannte sie, er hatte sie schon einmal gesehen, an jenem Abend, in der Orangerie. Ein Lächeln
stahl sich wieder auf seine Lippen, als er ihr hinterher lief. Ihm entging nicht, dass sie wachsam
war und so bemühte sich Vincent gar nicht erst um Heimlichkeit. Sie sollte ihn bemerken.
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mo 5 Okt - 17:23

Den anderen Kainiten bemerkte Julia. Im ersten Moment erkannte sie ihn nicht und ließ ihre Hand unter ihren Mantel gleiten, denn es war nervös. Nach einem weiteren Augenblick erkannte sie die Silhouette wieder. Auf dem Fest in der Orangerie hatte sie ihn gesehen und beim Kampf gegen den Nosferatu. Ihre Hand kam wieder zum Vorschein und hielt ein Smartphone in der Hand. Sie prüfte ruhig ihre Nachrichten und das Wetter. Ihre zweite Seele beruhigte sich mit, unterwarf sich ihrem Willen. Es war bei weitem nicht leicht, bei ihrer Abstammung. Er will, dass ich ihn bemerke. Sie steckte ihr Smartphone zurück in ihre Hosentasche. Zeit war genug verstrichen, sodass Vincent aufholen konnte. Sie sah auf und auf ihrem jungen Gesicht legte sich ein Lächeln. In ihren Augen tobte scheinbar ein Sturm, der jederzeit nach Außen hervorbrechen konnte, denn innerlich war sie angespannt.

„Guten Abend“, sagte sie freundlich. Scheiß auf benimm.

Sie wartete die Reaktion von Vincent ab. Sie wusste wenig über ihn. Wie würde er sich benehmen?

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 7 Okt - 2:59

Vincent schloss ruhig zu der jungen Frau auf und trat an sie heran. Er war um einiges größer als er
und auch wesentlich breiter, doch das bedeutete nie all zu viel. Sein furchterregendes vernarbtes
Gesicht blickte auf sie herab und dann formte sich ein Lächeln, welches man mit Fantasie als
so freundlich sehen konnte, wie es gedacht war. Er blickte sich um. Die Menschen waren kaum noch
auf den Straßen und sie waren ziemlich ungestört, doch ziemlich, war nicht gänzlich. Er kratzte sich
am Hinterkopf und deutete in eine Gasse, die in einen kleinen Hinterhof voller Garagen führte. Dort,
würde man noch ein wenig ungestörter sein.

"Guten Abend. Ich habe dich neulich bei der.... Festivität, wenn man es so nennen möchte gesehen.
Möchtest du mit mir kommen, dort drüben ist ein kleiner Hinterhof, dort kann man sich vielleicht
besser unterhalten. Keine Angst, ich werde da schon nicht versuchen, dich an die Wand zu drücken
oder sowas."

Das Lächeln war nun verlegen, doch die Narben verliehen dem auch hier ein regelrecht
gefährliches Antlitz.

"Wir hatten noch keine Zeit uns offiziell kennenzulernen. Mein Name ist Vincent, vom Clan des
Bodensatzes. Es freut mich sehr."
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 7 Okt - 17:46

Julia sah zu Vincent auf. Mit 1, 70 Meter war sie für eine durchschnittliche Frau nicht klein. Ihre Augen suchten in dem vernarbten Gesicht noch Muskelregungen, die sie deuten konnte. Sein Lächeln musste ehrlich sein. ‚Addams Family.’ Sie grinste innerlich und sah an ihm vorbei in den dunklen Hinterhof, dann musterte sie Vincent erneut. Seine Worte führten nicht dazu, dass sich die jungwirkende Brujah in Bewegung setzte. Sein Verhalten kam ihr seltsam vor. Ihr Gesicht spiegelte dies nicht wieder. Bist du Schüchtern?

“Hallo Vincent”, erwiderte sie höflich lächelnd, “ich bin Julia, bin noch jung vom Blute, meine Familie sind die Gelehrten unter uns. Es ist Angenehm, deine Bekanntschaft machen zu dürfen.” Sie streckte ihm ihre Hand zum Gruß entgegen. Ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen. “Ich beiße nicht.” Es waren beschwichtigende Worte.

Falls Vincent ihre Geste annahm, konnte er bemerken, dass ihr Händedruck geübt war, wobei ein aufmerksamer Beobachter merken konnte, dass sie ihr Händedruck behutsam war. Sie wartete einen Moment ab und fügte dann an: „Mein Vorschlag: Entweder wir gehen die Bahnhofstraße entlang und dann in den Hofgarten – vielleicht willst du ja die Könige meiden – oder wir gehen die Turnitzstraße entlang und von da aus irgendwohin.“

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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 7 Okt - 18:14

Vincent zögerte einen Moment, dann nahm er Julias Hand und schüttelte diese bedächtig.
Er wusste, dass seine körperliche Kraft groß war und wollte vermeiden, sie zu verletzen. Das
Lächeln wurde breiter und er nickte bei ihrem Vorschlag. Er bedeutete ihr vorauszugehen.
Sie war ein hübsches Wesen, wesentlich hübscher, als das was aus ihm geworden war. Er kratzte
sich wieder verlegen am Hinterkopf.

"Ich kenne mich nicht so hier aus und ich habe gelernt, dass man am besten nicht vor den Menschen
spricht. Das war soziemlich das erste, was sie mir eingebläut haben." Er grinste versöhnlich.

"Es wäre mir lieber, die ... Oberschicht... zu meiden." Er räusperte sich bei dem Wort Oberschicht.
Eine leichte Abfälligkeit? "Du bist ziemlich anders. Gelehrte sind Brujah oder? Ich habe überlegt,
ob ich ein Brujah bin. Ich weiß nicht zu wem ich gehöre und die meisten begegnen mir da ziemlich
verachtend. Ich mein, ich habe es mir ja nicht ausgesucht."

Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung, in die Turnitzstraße.
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 7 Okt - 20:46

„Ja, man nennt uns Gelehrte.“ Sie hatte nichts davon, Vincent bluten zulassen. „Es mag sein, dass du nichts sagen sollst, aber du kannst lernen, wie du dich in der Öffentlichkeit ausdrückst. Unsere Familien sind Jäger und das auf seine spezielle Art und weise. Jeder lernt es.“ Julia hatte ruhig gesprochen. Das Lächeln der jungen Brujah verschwand und sie sah ernst aus. Sie klang nicht belehrend. Ruhig aber mit ernster Stimme fuhr sie fort: „Wenn DU über meine Familie sprichst oder deine, sag es bitte nicht direkt.“

Julia ging langsam los in die Turnitzstraße. Sie hatte es nicht eilig. Sie sah Vincent von der Seite her an und nickte leicht. Ihre Aufmerksamkeit lag wachsam auf ihrer Umgebung. Es konnte noch so mancher Mitspieler auftauchen. Bist du vielleicht noch sehr jung? Zumindest konnte sie es gleich ansprechen. Sie redete nie um den heißen Brei herum. Ihre Augen musterten sein Gesicht.

„Jede Rose ist in der Lage, mit diesem Wissen dein Genick in unserer Gesellschaft zu brechen. Nenn Personen als Synonyme für die einzelnen Familien hier.“ Ihre Stimme kehrte zurück zum normalen Klang und ihre Mimik war entspannt. „Naja, unsere alten sind nicht immer schlecht. Dem ein oder anderen hätte ich gerne den Hals umgedreht, weil unsere Meinungen nicht übereinstimmten, aber sie haben Erfahrungen gesammelt, die uns fehlt.“ Ventrue waren eine echte Plage. „Nicht alle Könige sind schlecht... .“

Wer konnte Vencent sein? Zumindest konnte sie Nachforschungen anregen. Es gab hier doch bestimmt erfahrene Kinder vom Clan des Mondes. Sollten sie in seinem Kopf oder Blut wühlen?

„Hm...wer Du bist, entscheidest du selbst. Deine Taten können dir Respekt verschaffen.“

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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 7 Okt - 22:46

Vincent merkte sich alles ganz genau. Hier bekam er nützliche Lektionen, ohne das er von oben
herab angesehen wurden. Diese Person musste er sich merken. Vielleicht würde er mit ihr ein
Bündnis schmieden können. Die Brujah schienen ihm ohnehin wesentlich moderater in ihrem Verhalten
zu sein.

"Ich kann über meine Familie nicht reden, ich weiß gar nicht, wohin ich gehöre. Großmutter Rose,
nannte mich deswegen Bodensatz. Ferner sagte sie außerdem, dass ich auch nie etwas anderes sein
würde. Der König hat mich auch nicht als Person achten wollen. Hugo meinte dazu auch,
ich solle das auch nie erwarten. Ich verstehe nicht, warum sie vor ein Bisschen Grundrespekt,
so zurückschrecken. Ich mag Olaf und Max, die beiden haben mich wie du nicht von oben herab
behandelt. Vielleicht gehöre ich ja auch zu den Gelehrten."
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Do 8 Okt - 10:15

Julia nickte das ein oder andere Mal, dann sah sie wieder zu Vincent auf.

„Wir sind bisweilen locker drauf. Ich kann mal mit Olaf reden, ob wir dir helfen können.“

Ihre Mimik wirkte nachdenklich. Verloren am Rande der Gesellschaft – wie unsere Familie. Großmutter Rose hatte nicht unrecht. Wie konnte sie es weitergeben. Wo kam er her? Langsam sprach sie:

„Großmütterchen hat aus ihrer Sicht Recht. Es geht auf die lange Geschichte ihrer Familie zurück und du gehörst keiner Familie so richtig an. Für die Könige gilt das gleiche.“ Julia zuckte mit den Schultern. „Sie sehen meine Familie ebenfalls als Müllabfuhr an, doch sie verscherzen es sich ungern mit uns. Ich kann dir nur mitgeben, dass dich deine Taten auszeichnen. Auf dem Fest hast du den ersten Schritt gemacht im Kampf.“

Vom Bahnhof drang eine Lautsprecher Durchsage bis an ihre Ohren. Der nächste Zug durchfuhr den Bahnhof. Julia wendete ihren Kopf und lauschte dem Geräusch. Es beruhigte wie das Rauschen am Meer. Wer hatte dem Jungen eigentlich das Wissen eingehaucht? Julia strich sich eine schwarze, störende Strähne hinters rechte Ohr.

„Erwarte niemals Respekt von den anderen! Du musst ihn dir verdienen. Da du über deine Vergangenheit wenig weißt oder wie dein Leben gewesen ist, sie es ganz einfach: Älteren hat ein Kind den Grundrespekt entgegenzubringen.“ Sie grinste und zeigte ihr makelloses Gebiss. „Piss niemals einen aus meiner Familie an, egal ob jung oder alt - oh und die Wilden!“

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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Fr 9 Okt - 15:23

Vincent grinste bei ihren Worten. Ja, hier war er auf Gold gestoßen. Diese Frau könnte wirklich
das sein, was er mit gesucht hatte. Eine Person mit der er sich verbünden könnte. Er lief still
schweigend neben ihr her, bis sie geendet hatte, dann warf er ihr einen Seitenblick zu.

"Das sind gute Ratschläge, dennoch strafst du deine eigenen Worte gerade Lügen,
allerdings, wie ich weiß, nicht bewusst." Bevor sie protestieren konnte, sprach er weiter.

"Du läufst hier neben mir und behandelst mich, wie eine Person.
Das ist auch eine Art von Respekt. Respekt hat viele Dimensionen. Ich würde nie von Anfang an
erwarten, dass ich geachtet oder sogar gefürchtet werde, wie Großmutter Rose oder Herr König.
Nein ganz gewiss nicht. Aber sag mir, wenn du mich nicht hättest kämpfen sehen, würdest du mich
dann jetzt behandeln wie Abfall?"

Er lächelte. Er ahnte ihre Antwort bereits voraus und er wusste sie würde nun verstehen worauf er
hinaus wollte.

"Es ging mir nie um hohes Ansehen, aber um das zugestehen eines Grundwertes, als Person.
Nebenbei... Ich pisse niemals jemanden an, den ich mag. Du und deine Deine Familie,
seid vor meinem metaphorischem Urin also in Sicherheit."
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Fr 9 Okt - 19:56

Ein Welpe erlangt Selbstbewusstsein! Es war ein kleiner Erfolg für die Familie. Vincent musste schon die anderen Kennengelernt haben. Wenn er bei Großmutter Rose lebte, konnte er an Informationen kommen. Die Familie braucht jeden Strohhalm und Verbündeten. So gelangen die Brujah wieder an den Spieltisch. ...und ich hasse diese Spiele... . Was würde Olaf sagen?

„So sind wir eben!“, Julia lachte herzlich für ein Monster.

Er hatte sich selbst die Antwort gegeben. Amüsant. Dennoch blieb ein Eindruck zurück, den Julia geklärt haben wollte. Sie machte drei lange Schritte und baute sich vor Vincent auf, wobei sie ihn forsch ansah, die Augen wurden schmaler. Ihre Augen suchten nur nach einer Nachlässigkeit. Das Feuer entfachte sich in ihren Augen.

„Was meinst Du mit unbewusst? Los, raus damit!“

Es klang nicht verärgert sondern fordernd mit einer Spur von Neugierde.

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   So 11 Okt - 4:20

Vincent blieb wie angewurzelt stehen, als sie vor ihn trat.
Einige Sekunden, ließ er auf eine Antwort warten und blickte ihr einfach nur entgegen.
Langsam legte sich ein Lächeln auf das Gesicht, als er ihr bedeutete wieder voran zu gehen.

"Was ich damit meine? Du hast gerade einem Verhalten Normalität und Selbstverständlichkeit
zugesprochen, welches du selbst in keinster Weise praktizierst. Nein, du bist offenen Verstandes
und offen im Verständnis mit mir unter gegangen, ohne auch nur zu versuchen mich als ein minderes Wesen darstellen zu wollen. Du bemerkst den Gegensatz?

Aber wie ich schon sagte, ich meinte es nicht böse, tatsächlich freue ich mich über deine Art.
Ich hatte mich schon einmal gefragt, ob ich Olaf einmal fragen sollte, ob man mich vielleicht,
in die Familie adoptieren kann. Man könnte ja behaupten, herausgefunden zu haben, wessen
Familie ich angehöre."

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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   So 11 Okt - 16:03

„Vielleicht“, meinte Julia und drehte sich auf dem Absatz um, „jeder verdient eine Change.“ Seine Geste war ihr nicht entgangen. Wenn sie das Kompliment wahrgenommen hatte, ließ sie es sich nicht anmerken. Julia gab den Weg vor und bog in die Maximilian Straße ein. Sie hatte wohl ein bestimmtes Ziel, denn aus ihrer Umhängetasche holte sie erneut den Stadtplan. Kleine Markierungen hatte sie darauf festgehalten. Schweigend Folgte sie dem Verlauf und Bog bald in die Kanalstraße ein.

Die ‚Stille’ ließ Raum zum Nachdenken. Die Gedanken der Brujah drehten sich um die Stadt und ihren Clan. Die Sache mit Vincent ließ sie im Moment nicht los, sodass sie, nachdem sie den Stadtplan wieder eingesteckt hatte, ihr Smartphone auspackte und eine Nachricht tippte. Sie schrieb einen kurzen Vermerk an Olaf. Von Brujah zu Brujah ging das einfacher im privatem Rahmen.

„Wenn du mal durchklingeln willst...“, begann Julia ihren Satz, ohne von ihrem Smartphone aufzusehen und diktierte Vincent ihre Nummer. 'Olaf reißt mir bestimmt den Kopf ab.' Es war eine Nummer von vielen. Eine Spürnase lernte ihr Handwerk. Sie sah auf, packte ihr Handy wieder weg. „Ich hab Olaf mal angehauen.“

„Was kannst Du mir über das Revier des Königs erzählen? Ich meine, du bist schon länger hier als ich. Mir ist die Gesellschaft noch fremd. Welche Beobachtungen hast du gemacht.“

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   So 11 Okt - 22:44

Als Sie ihr Handy zückte und schnell etwas tippte, blieb Vincent mit ihr stehen.
stoisch war ihr der große Mann den ganzen Weg lang gefolgt und hatte sich dabei genauestens die
örtlichen Gegebenheiten eingeprägt. Soweit lief alles gut. Der Lärm der Stadt war inzwischen
abgerückt und sie waren sie in nächtliche Stille getaucht.

Auf ihren Kommentar hin, klopfte sich Vincent entschuldigend auf die Taschen der Lederjacke, so wie seiner Hose und blickte entschuldigend drein. Tatsächlich hatte der Caitiff kein Handy in seinem
Besitz. "Ich fürchte, das ganze wird Altmodisch mit einer schriftlichen Notiz geschehen müssen."

Vielleicht würde es ja klappen. Von den Toreador, zu den Brujah. Wie wohl der Prinz auf die Sache
reagieren würde? Er hatte Julia nicht verraten, das der König ihn explizit zu den Toreador
verwiesen hatte.
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mo 12 Okt - 17:34

Im Gesicht der jungen Frau schnellte fragend die linke Braue hoch wie bei Mister Spock. Wer auch immer Vincent aufgenommen hatte, sollte ein Interesse daran haben, dass er erreichbar blieb. Vincent konnte das Augenrollen von Julia erkennen, sie sagte nichts weiter sondern langte in ihre Tasche, zog Stift und Block hervor, worauf sie ihre Handynummer Tippte. Die Notiz riss sie aus dem Block und reichte sie Vincent.

„Ich mutmaße mal, dass du irgendwie bei Großmutter der Rosen untergekommen bist... . Wie kann man dich nur ohne Kommunikationsmittel herum laufen lassen.“ Es wühlte in ihr. Ihr inneres wurde unruhiger, dennoch Griff sie wieder in ihre Tasche, holte ihre Geldbörse hervor. Sie hielt Vincent einen 50 Euro schein hin. „Nimm, keine Widerrede!“, sagte sie bestimmt, „Kauf dir nen Wegwerfhandy, kapiert!“ Sie Lächelte.

Vincent war trotz seiner Erscheinung sympathisch. Im Moment schätzte ihm so ein. Das bisschen Geld konnte sie entbehren. Die Rosen hatten einen Schuss... . Ich freue mich auf das nächste Treffen mit denen, bah... . Zurück zu meinen Fragen.

„Bist Du bitte so nett und beantwortest meine Fragen von eben?“, scherzte Julia beiläufig und ging langsam weiter. Aufmerksam sah sie die Straße entlang.

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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mo 12 Okt - 18:56

Vincent machte erst keine Anstalten, das Geld entgegen zu nehmen, doch als sie schließlich insestierte
streckte er mit zerknirschtem Gesicht die Hand aus und nahm das Geld entgegen. "Danke..."
murmelte er leise. Es schien ihm wirklich unangenehm sein, diese Geste anzunehmen.

"Weißt du, so wie ich das mitbekommen habe, läuft nichts ohne Gegengefallen. Ich schulde dir eine
Kleinigkeit, keine Wiederrede!"

Das Lächeln kehrte wieder auf sein Gesicht zurück, während er das Geld in seine Hosentasche
steckte. "Deine Fragen. ich fürchte, da kann ich dir fast weniger sagen, als du ohnehin schon weißt.
Ich bin von dem Ort geflüchtet, an welchem ich so aufgewacht bin wie ich nun bin. Nach einer
kleinen Rundreise, kam ich hier an und ein anderer fand mich und legte mir nahe, mich beim
König zu melden. Ich war also dort und ehe ich es mich versah, war ich auch schon bei Großmutter
Rose, wo mir ihre Kinder die Traditionen einprügelten und generell grobes Wissen. Ich wurde dann
hin und her gereicht und momentan kümmert sich Michael um mich. Ich kann dir also nicht wirklich
etwas erzählen."
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Di 13 Okt - 1:33

„A Roland for an Oliver“, schmunzelte Julia. Die Aussprache der Worte klang wie gehobenes Englisch auf Muttersprachniveau. Es war nicht ihre Absicht gewesen, einen Gefallen zu bekommen. Wenn er es so wollte, kam sie gerne darauf zurück. Der eigentliche Gefallen stand noch aus. „Ich sag ja schon nichts...“, lachte sie.

Interessante Worte äußerte Vincent. Julia ließ sich ihre Enttäuschung nicht anmerken. Die Gesellschaft musste sie nun selbst erkunden. Ein Vorteil, wenn ich allein bin. Es fällt auf keinen weiteren zurück. Sie mussten über ihren eigenen Schatten springen. Man kam nie einfach an Informationen heran.

„Das Abenteuer in dieser Stadt wird nun um sooooo interessanter.“ Ein leises Knurren hatte sich in ihre Stimme geschlichen. Es unterstrich ihren Unmut und ihre Meinung. Für einen Moment zeigte sich das Raubtier in ihrem Gesicht. Menschen zeigten sich im Moment nicht in ihrer Nähe. Gut so! Die junge Dame räuberte sich. Sie musste später über das gewonnen Wissen nachdenken. „Vincent, ich kann mit dem bisschen leben.“

Das menschliche Antlitz kehrte zurück, entspannte sich und zeigte wieder ein Lächeln. „Sag mal, welche Personen, die Du noch so kennst, sind unterumständen interessant?“, hakte die Brujah vorsichtig nach. Sie kannte hier weniger als Vincent, sodass sie mehr über einzelnen wissen wollte. Julia sah zu Vincent auf und versuchte, in dem vernarbten Gesicht nach Regungen zu achten. Ja, sie wollte von dieser Domäne mehr wissen - Neugierde.

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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 14 Okt - 0:07

Vincent war vor dem Tierhaften Antlitz sichtlich zurückgeschreckt. Stand gerade noch direkt vor ihr,
so war er nun mehrere Schritte zurückgewichen. Vorsicht und Anspannung standen in seinem Gesicht
und es war durchaus zu sehen, das die Muskeln des Caitiffs sich angespannt hatten. Doch bald
beruhigte sich die Frau vor ihm und das menschliche kehrte in ihre Züge zurück.

Langsam kam der Caitiff wieder näher, doch die Vorsicht war nicht gewichen. Der große vernarbte
Mann schien nun wie ein Hirsch, welcher alarmiert jeden Moment in das Unterholz verschwinden
würde und auch die Nähe war nicht mehr die Selbe, einige Schritte blieb er nun von ihr entfernt.

"Ich kenne einige und die meisten, die ich kenne, hätte ich am liebsten nicht kennengelernt.
Da ist einmal Eric Napier, der mich zu dem Prinzen geschickt hat. Er war unheimlich, richtig
furchterregend. Der Prinz selbst ist nicht weniger schrecklich in meinen Augen. Dann gibt es seine
Assistentin, die Frau Irgendwie von Ansbach... Luise glaube ich. Dann Großmutter Rose und ihre
Nattern... ich meine Untergebenen, Nathalie und Daniela. Dann ist da noch Michael, er hat die
Verantwortung für mich aufgedrückt bekommen und hasst mich. Es ist ihm ins Gesicht geschrieben.

Dann habe ich Olaf kennengelernt und Max, die beiden sind total in Ordnung. Esther ist komisch,
aber ich kann ihre Einstellung verstehen. Dann habe ich noch Hugo kennengelernt, einen Nosferatu.
Er ist unverschämt, aber er weiß, wie es ist als Dreck angesehen zu werden. Ich habe auch noch
einmal einen Nosferatu namens Blasimir Fickdusimir gesehen und seine Frau Claire Grube.

Dann habe ich noch einmal zwei Tremere kennengelernt, aber ich habe deren Namen vergessen.
Ich weiß das ihre Erstgeborene Silvia heißt. Dann gibt es da noch eine Frau, namens Liana Sankt
Martin oder so. Ich weiß es nicht so genau. Sie ist eine Tochter der... der... Irgendwas.
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 14 Okt - 13:44

Was war denn jetzt los? Julia spannte sich an, bevor ihr bewusst wurde, dass es ihre Reaktion gewesen sein musste. Einer Löwin gleich taxierte sie Vincent, wobei sie schnelle Bewegungen vermied. Bleib locker, Kleines. Die junge Kainitin zog tief die Luft in ihre Lugen. Mit ihrem Willen kämpfte sie das schwach, aufsteigende Tier nieder. Ihre Anspannung löste sich nach und nach und kein Anzeichen eines Angriffs war von ihr abzulesen. Die Bestie wartete nur auf eine Gelegenheit wie diese. Das Kitz blieb verschreckt.

„Bitte entschuldige den Ausbruch Meinerseits...“, sprach Julia ruhig und beschwichtigend. Die Straße blieb menschenleer. Hinter jeder Ecke konnte ein Langohr sitzen. Es gab genug Raum zum Ausweichen. Sie hatte sich wieder im Griff. Der große Mann hatte in seinem Wortschwall mit loser Zunge gesprochen. Meine Schuld! Langsam ging Julia um die nächste Ecke und verschwand in einer dunklen Hofeinfahrt. Die Rosen und ihre Aufzucht von Welpen... . Julia lehnte sich an eine Wand an. Folgte Vincent ihr?

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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Mi 14 Okt - 15:01

Vincent zögerte. Misstrauisch behielt er Julia im Auge, keine Bewegung entging ihm, sie würde ihn
nicht überraschen können. Die Vorsicht saß anscheinend tief. Kurz blickte auch er sich um, behielt sie
aber ständig im Blick eines seiner Augen. Er war sich keines Fehlers bewusst, aber er hatte recht
gehabt, sie könnte die richtige sein. Sie könnte zu einer Verbündeten werden, zu einer Schwester.

Als sie in eine Einfahrt einbog, zögerte er erst ihr zu folgen. Seine Augen versuchten die Finsternis
zu durchdringen, als vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzte und ihr langsam folgte. Er wäre
gefasst, sollte sie ihn angreifen, er wäre nicht arglos.
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Do 15 Okt - 1:40

Die Brujah lehnte lässig an der Wand. Ihre Arme hatte sie vor der Brust verschränkt. Diffuses Licht aus einer mit Spinnenweben besetzten und verhangenen Lampe erhellte die Gasse ungenügend. Das Bleiche Gesicht der Kainitin hob sich im Licht der Dunkelheit ab. Ihre Haltung zeigte keine offensiven Merkmale als Anzeichen eines Angriffs.  Es war eine raubtierhafte Ruhe.

„Auszeit“, flüsterte Julia, „Zwei Raubtiere verharren in einer dunklen Gasse. Wie klingt das für dich Vincent?“ Der Versuch eines Scherzes verging im dunklen Sein. Es brachte sie selbst zum Grnsen. Neugierde lag in ihrem Blick vermischt mit aufmerksamen Augen, die jede Bewegung aufnahmen. „Schockiert? Überrascht? Überwältigt? Lose Zunge?“ Ihr Tonfall blieb leise.

Sie spielte ihm den Ball zu. Gespannt wartete Julia auf seine Analyse.  ‚Nimmst du den Ball an, bevor du ihn weiter spielst.’

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Do 15 Okt - 15:30

In Vincents Gesicht stand Verärgerung. Er hatte sie nicht verletzen wollen. Er wusste
um seine große Kraft, um die Macht, welche in seinem Schlag lag und wie leicht er damit
einen Schädel zertrümmern konnte. Auch er verschränkte die Arme vor der Brust, machte aber
keine Anstalten mehr näher zu kommen wie bisher.

"Wie das für mich klingt? Ziemlich endgültig und ich bin weder geschockt noch überwältigt. Ich war
darauf vorbereitet meine Haut teuer zu verkaufen. Es hätte mir leid getan, dich verletzen zu müssen.
Tu das niemals wieder!"
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Do 15 Okt - 19:07

„Versprechen kann ich es dir nicht. Ich bin... .“ Sie schwieg. Nein, sie konnte nicht alles erzählen! „Ich habe meiner Verärgerung freien Lauf gelassen.“ Tonlos redete die Brujah. Sie sah auf die gegenüberliegende Wand. Ihr Gesicht war wie eine starre Maske. „Vincent, du bist nicht gemeint gewesen. Ehrlich gesagt habe ich nicht erwartet, dass du an einen Angriff denkst.“ Die Jugendlichkeit kehrte auf ihr junges Gesicht zurück. „Meine Worte können das nicht entschuldigen... .“ Sie ließ ihre Arme sinken.

Seine Kraft konnte sie nicht einschätzen und sie hatte keine Lust, dass ihr Kopf sich in die nächste Wand bohrte. Narbengesicht war ein Kämpfer. Sie hatte es selbst sehen können. Noch immer redete Julia leise weiter. „Ich habe mich gehen lassen und du, Großer, hast die Hexer und Kanalratten beim Namen genannt.“ Eine Tochter der Kakophonie ist hier? Wahnsinn! „Ahm...Vincent, soweit wieder gut?“

Ein ehrliches, jugendliches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Nein, sie hatte keine Lust, sich die weiteren Schritte hier mit Feinden zu pflastern.

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Fr 16 Okt - 3:53

Vincent kratzte sich bei ihrer Entschuldigung verlegen am Hinterkopf. Er war inzwischen so auf
Vorsicht getrimmt, dass er glatt vergessen hatte, dass auch er bereits so die Kontrolle verloren hatte. Sein Gesichtsausdruck machte diese Erkenntnis eindeutig sichtbar.
Auch ihre Rüge dessen, dass er die beiden Vampirclans hier draußen beim Namen benannt hatte, war berechtigt gewesen. Natürlich waren hier gerade keine Neugierigen Zuhörer,
doch Nachlässigkeit, sollte man sich gar nicht erst angewöhnen.

"Es ist alles wieder gut. Du hast recht, ich weiß wie es ist die Beherrschung zu verlieren, sogar
sehr gut. Es ist nur so, ich schätze es so ein, dass kein Hahn danach krähen würde, wenn mir etwas
zustoßen würde, ich bin schließlich Bodensatz. Also hatte ich die Sorge gefundenes Fressen für
andere .... von uns zu sein."

Er überlegte kurz und es war ihm anzumerken, dass die Worte Verlegenheit mit sich brachten.
"Ich muss sagen, von allen, die ich bisher hier kennenlernte, bist du mir am sympathischten.
Ich weiß nicht, ob man zugeben sollte, wenn man jemanden mag, aber deine ganze Art ist so....
so echt. Du wirkst nicht so, als würdest du mir etwas vorspielen."
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Julia
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Fr 16 Okt - 17:54

Ihre Worte waren angekommen. Es blieb die Frage, wie sie sich in Gesellschaft anderer schlagen konnte. Das Bedürfnis, wieder allein zu sein, ebbte ab. Es musste sein, denn nur so konnte ein Raubtier hier erfolgreich sein. Es ging nichts über Familie, dennoch...musste sie eine Nase dafür bekommen, wie der Hase lief. Vincent erwies sich als erste Hilfe. Was kam nun? Zu viele Testosteron im Vitea? Julia sah Vincent durchbohrend an.

„Mal ganz langsam, Vince“, antwortete Julia, „lass dich niemals blenden. Ich bin ein Monster – eine Bestie, die du glaubst, zu kennen. Wir haben einen gemeinsamen Nenner. Wie sich dieser entwickelt, wird die Zeit entscheiden.“ Julia schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Es war ihr anzumerken, dass sie sich zierte, die nächsten Worte auszusprechen. „Danke, dass du mir Vertrauen entgegenbringst“, murmelte die Brujah mehr als sie es sagte. Vertrauen nahm Julia bedingt an. ‚Genau, lass ihn liegen, wenn er nicht mehr vom Nutzen ist’, sprach eine Stimme in ihrem Kopf. Sie ließ die Worte nicht an sich heran.

Es herrschte Krieg in den Straßen und Gassen. Jeder verbündete war wertvoll. Sie Schloss die Gedanken der Bestie irgendwo tief in sich weg. „Wo wir morgen stehen, sehen wir am Ende des Krieges.“ Langsam zog es die junge Brujah wieder hinaus aus der Gasse. Vertrauen... . Die Nacht wollte Julia noch nutzen. Sie wartete auf eine Antwort. Noch konnten sie offen reden.

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Vincent
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Sa 17 Okt - 3:03

Vincent merkte, dass er anscheinend etwas empfindliches getroffen hatte. Viele Gerdanken zogen
über Julias, doch noch vermochte der Caitiff sie nicht abzulesen. Sie war eine Bestie wie er,
das wusste er und würde er auch niemals vergessen, aber darauf kam es ja letztlich auch an.
Sie bedankte sich leise für die Vertrauensbekundung.

"Ob und wie der Krieg endet, will ich noch gar nicht mutmaßen. Ich weiß ja nicht einmal wie ich
auf dieses Schlachtfeld passe. Die Kriegsparteien sind mir fremd, was also kann ich da wirklich tun?
Momentan versuche ich nur zu überleben."

Er sah, dass Julia aus der Gasse hinaus steuerte und trat bei Seite, um sie vorbei zu lassen. Diese
Nacht war sehr lohnend gewesen. "Wenn du mal Hilfe brauchst, kannst du auf mich zählen.
Ruf mich und ich bin für dich da, darauf kannst du dich verlassen."

Mit diesen Worten blieb Vincent in der Gasse zurück. Er hatte sich den Weg gemerkt und würde schon zurückfinden, sobald er sich etwas Blut beschafft hatte. Zum Glück waren am Bahnhof meist
immer vereinzelt Menschen unterwegs.
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BeitragThema: Re: Raum zum Atmen   Sa 17 Okt - 13:45

Die Brujah straffte ihre Schultern, richtete sich gerade auf. Sie schenkte Vincent ein Lächeln, wobei sie ein letztes Mal stehen blieb.

„Bleib einfach du selbst. Gute Jäger werden immer gebraucht. Ahm...und Vince, Welpen halten oft zusammen.“

Julia ging ein paar Schritte rückwärts, und winkte Vincent zum Abschied. Einen kurzen Moment blitzte in den Augen das Tier auf, bevor sie beschwingt in der Nacht untertauchte.

„Ich komme darauf zurück und du hast meine Nummer, Vince! Eine erfolgreiche Jagd!“

Sie rief ihm die letzten Worte nach. Ihre Offenheit und Jugendhaftigkeit kehrte zurück. Sie war wieder mehr Mensch – Student. Irgendwo gab es einen jungen Studenten, der auf ihren Speiseplan passte.

[off: Danke fürs Play Vincent! Es hat Spaß gemacht!]

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